Vom Programmaustausch zu den Online Archiven

Programmaustausch war in den 90er Jahren wichtigste Motivation für die Vernetzung unter den freien Radios. Unvorstellbar, wie das ohne Internet funktioniert hat: Man schickte sich gegenseitig kopierte Listen (ja, Kopiergeräte gab es bereits) per Post zu. So ein dicker Briefumschlag enthielt teils handgeschriebene Aufstellungen der Bibliotheksbestände eines anderen Senders im Verband der Assoziation freier Gesellschaftsfunk (AFF) e. V.. Wollte man eine Sendung aus so einer Liste ausstrahlen, dann griff man zum Telefon – natürlich noch mit echten Tasten und am Festnetz. Im angerufenen Sender wurde dann eine Kopie der Cassette angefertigt. Um Geld zu sparen sammelte man solche Bestellungen. Und irgendwann wenn das Paket voll war brachte es der Postbote vorbei.

Sobald das Internet Audio konnte wurden komfortablere Austausch-Server geboren. Es entstanden In Deutschland mit Freie Radios Net (FRN) und in Österreich mit dem Cultural Broadcasting Archive (CBA) eigene Infrastrukturen. Über die letzten 25 Jahre sind daraus umfangreiche Audio-Archive mit zeitgeschichtlichen Dokumentationen entstanden.

Technisch werden die Plattformen unterschiedlich intensiv genutzt. Die Radios im Verband Freier Rundfunk Österreich (VFRÖ) konnten dank der zentralen Mediengesetzgebung recht schnell eine finanzielle Absicherung erreichen und integrieren folgerichtig das CBA in die Sendestrecken aller freien Radios. In Deutschland haben Radio Dreyeckland Freiburg und auch Radio Corax aus Halle mit Hilfe eigener Skripte das hiesige Online Archiv sehr weit in ihre Sendeabläufe integriert und nutzen es automatisiert als Archiv- und Veröffentlichungsplattform. Das blieb bisher jedoch eher die Ausnahme weil es keine Entwicklung für eine solche Vollintegration gab. In der Regel wird FRN als Austauschplattform mit manuellem Up- und Download genutzt.

Im Projekt danube streamwaves wollen wir die Vernetzung der Archive vorantreiben. Dabei sollen technische Aspekte wie Responsibility und Metadatenaustausch genauso im Fokus stehen, wie die inhaltliche Öffnung der meist deutschsprachigen Plattformen um sie für anderssprachige Sender, wie z. B. Civil Radio zugänglicher zu machen.

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